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Mondfinsternisse

Inhalt
1. Einleitung
2. Allgemeines zu partieller Phase und Halbschatten
3. Allgemeines zur Totalität
4. Filme/Empfindlichkeiten
5. Mondfinsternisfotografie mit ruhender Kamera
6. Mondfinsternisfotografie mit Nachführung

Empfohlene Vorkenntnisse: Grundlagen, Optiken, Digitalkameras

Mondfinsternisse zählen zu Recht zu den eindrucksvollsten Himmelserscheinungen. Da oft mehrere Jahre zwischen zwei gut beobachtbaren Finsternissen liegen, haben die angefertigten Fotos neben ihrer Ästhetik auch einen hohen Erinnerungswert. Mondfinsternisse sind bereits mit einer einfachen Ausrüstung gut fotografierbar. Jede Ausrüstung und Brennweite liefert beeindruckende Ergebnisse.

Da es bei der Fotografie von Mondfinsternissen primär um die Erfassung der Farben geht, eignen sich hierfür alle Brennweiten, die den Mond auf dem Abzug bzw. Bildschirm deutlich als Scheibe darstellen, also alle Brennweiten ab etwa 35 Millimeter im Vollformat. Bei kleineren Sensoren fällt die Mindestbrennweite entsprechend kleiner aus. Es lassen sich mit jeder beliebigen Kamera anschauliche Aufnahmen des Finsternisverlaufes und der Totalität gewinnen, vorausgesetzt, die Kamera erlaubt Belichtungszeiten im Sekundenbereich. Bereits handelsübliche Digicams erlauben anschauliche Aufnahmen von Mondfinsternissen. Es empfielt sich auch für kurze Brennweiten die Verwendung eines Draht-, Kabel- oder Fernauslösers, um jegliche Erschütterungen zu vermeiden.

Die in dieser Anleitung angegebenen Belichtungszeiten sind als Faustregeln anzusehen, da die benötigte Belichtungszeit vom Zustand der Atmosphäre, der Resthelligkeit des Mondes im Kernschatten der Erde und nicht zuletzt vom persönlichen Geschmack des Fotografen abhängt. Man sollte daher immer eine Belichtungsreihe aus verschiedenen Belichtungszeiten anfertigen.

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Allgemeines zu partieller Phase und Halbschatten

Die Halbschattenphase einer Mondfinsternis kann man einfach und eindrucksvoll fotografisch dokumentieren: Vom Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde bis kurz vor Beginn der partiellen Phase fertigt man Aufnahmen im Abstand von einigen Minuten mit der gleichen Belichtungszeit (siehe weiter unten) an. Mit fortschreitender Halbschattenfinsternis wird die Mondoberfläche in Richtung Kernschatten im Laufe der Bilderserie bereits nach wenigen Minuten sichtbar dunkler. Die ersten Fotos der Serie werden dann teilweise überbelichtet. Dies verstärkt jedoch die Wirkung des Halbschattens.

Man kann den Helligkeitsabfall des Mondes während der partiellen Phase dokumentieren, indem man im Abstand von einigen Minuten Aufnahmen anfertigt. Hierbei nimmt die Helligkeit des Mondes stetig ab, wenn immer mit der gleichen Belichtungszeit gearbeitet wird. Im Laufe der Finsternis muss man deshalb die Belichtungszeit verlängern, da kurz vor der Totalität nur noch wenige Prozent des Sonnenlichtes die unverfinsterte Mondoberfläche treffen (vom Mond aus gesehen wäre die Sonne durch die Erde in diesem Bereich des Mondes hochgradig verfinstert). Ansonsten wäre die extrem schmale Mondsichel kaum zu erkennen.

Während der partiellen Phsae wird der Mond durch den Halbschatten der Erde stark abgedunkelt, auch wenn dies mit dem bloßen Auge nur direkt am Kernschattenrand auffällt. Mit Belichtungszeiten, die wir vom unverfinsterten Mond gewohnt sind, wäre also fast nichts zu erkennen.

Möchte man die partielle Phase fotografieren, ohne dass die im Kernschatten befindlichen Bereiche des Mondes zu sehen sind, muss relativ kurz belichtet werden. Die Belichtungszeiten sollten etwa 1/10 bis 1/20 Sekunde bei ISO 100 und f/10 betragen, um die Bereiche des unverfinsterten Mondes am unmittelbaren Rand des Kernschattens deutlich abzubilden. Hier trifft man den optimalen Wert nur mit einer Belichtungsreihe.

Möchte man den Mond im Kernschatten deutlich abbilden, muss man die gleichen Belichtungszeiten wie für die Totalität (siehe unten) anwenden. Der Bereich des Mondes, der sich dann noch ausserhalb des Kernschattens befindet, wird hierbei überbelichtet und erscheint strukturlos weiss. Auch hier sind Belichtungsreihen für optimale Ergebnisse unerlässlich.

partielle Mondfinsternis

Das Foto zeigt die partielle Phase der totalen Mondfinsternis vom 8./9. November 2003. Belichtet wurde drei Sekunden auf ISO 800-Film bei f/10. Der blaue Farbsaum am Innenrand des Kernschattens tritt bei sehr hellen Mondfinsternissen auf, wenn besonders viel Sonnenlicht durch die Erdatmosphäre in den Kernschatten der Erde gebrochen wird.

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Allgemeines zur Totalität

Während der Totalität leuchtet der Mond in einem tiefen, dunklen Rot. Diese Farbe wechselt zum Kernschattenrand in orange bis gelb, abhängig von der Gesamthelligkeit der Finsternis. In seltenen Fällen kann der äusserste Rand des Kernschattens bei extrem hellen Finsternissen bläulich erscheinen.

Die Helligkeit des Mondes im Kernschatten hängt von der Menge des Sonnenlichtes ab, die in den Kernschatten gestreut wird. Beispielsweise erscheint der verfinsterte Mond nach starken Vulkanausbrüchen extrem dunkel. Das kann soweit gehen, dass die Bereiche des Mondes, die dem Kernschatten am nächsten sind, selbst auf lang belichteten Aufnahmen fast schwarz erscheinen.

Bedenken Sie unbedingt die Helligkeitszunahme des Mondes zum Kernschattenrand hin (der Kernschatten wird zum Zentrum hin dunkler). Befindet sich der Mond dicht am Rand des Kernschattens, erscheint der äussere Mondrand strukturlos weiss, wenn man zu lange belichtet. Dann kann man die Totalität kaum von einer hochgradig partiellen Finsternis unterscheiden (im folgenden Foto deutlich sichtbar).

Das Foto zeigt die totale Mondfinsternis vom 9. November 2003. Aufgenommen auf ISO 800-Film, Belichtungszeit drei Sekunden bei f/10.

totale Mondfinsternis

Der Mond ist im Kernschatten relativ dunkel, so dass lichtstarke Optiken vorteilhaft sind. Es empfehlen sich ISO-Empfindlichkeiten von 400 bis 800. Die Totalität liegt an der Grenze der Erfassbarkeit von Autofokus-Sensoren. Man sollte Autofokus-Objektive also bereits während der partiellen Phase fokussieren und dann auf manuelle Fokussierung umschalten. Fokussier- und ggf. Zoomring dürfen jetzt natürlich nicht mehr berührt werden.

Die Belichtungszeit hängt von der Resthelligkeit des Mondes im Kernschatten und von den Wünschen des Fotografen ab. Sie betragen zwischen drei und zehn Sekunden bei ISO 400 bis 800. Eine Belichtungsreihe aus verschiedenen Belichtungszeiten ist unumgänglich. Belichtet man länger, um die dem Kernschattenzentrum nahen Partien deutlich zu erkennen, wird der Mondrand wie oben sichtbar oft leicht überbelichtet. Umgekehrt erscheinen die dem Kernschattenzentrum nahen Bereiche fast schwarz, wenn die äusseren Bereiche korrekt belichtet werden.

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Filme/Empfindlichkeiten

Da der verfinsterte Mond sehr dunkel ist, sollte man zu ISO-Empfindlichkeiten von 400 bis 800 greifen. Bei sehr lichtstarken Optiken (etwa Blende 5,6 und lichtstärker) sind auch geringere Empfindlichkeiten geeignet. Die feinen Strukturen, die durch das grobe Korn bzw. Hintergrundrauschen dieser Empfindlichkeiten verloren gehen, lassen sich wegen der bei Belichtungszeiten im Sekundenbereich unvermeidlichen Unschärfen durch Luftunruhen sowiso nicht erfassen.

Diafilme haben erfahrungsgemäß brillantere Farben als Negativfilme und sind daher bei der Verwendung von analogen Kameras nach Möglichkeit vorzuziehen.

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Mondfinsternisfotografie mit ruhender Kamera

Kameraobjektive

Die einfachste Art, eine Mondfinsternis zu fotografieren, ist die Montage einer Kamera mit Objektiv auf einen stabilen Stativ. Hierbei kann man je nach Brennweite einige Sekunden belichten, ohne dass der Mond durch die tägliche Bewegung des Himmels verschmiert wird. Je länger die Brennweite, umso kürzer kann man maximal belichten. Eine Auflistung der maximalen Belichtungszeiten finden Sie im Artikel "Belichtungszeiten". Wie immer sollte man auch hier Belichtungsreihen anfertigen, von kurzen Zeiten bishin zur bei der jeweiligen Brennweite maximalen Belichtungszeit. Ein Kabelauslöser ist unerlässlich, insbesondere bei langbrennweigen Objektiven.

Die folgenden Angaben gelten für Analog-Spiegelreflexkameras bzw. Vollformat-Sensoren. Bei gleicher Brennweite zeigen digitale Spiegelreflexkameras ein um etwa den Faktor 1,6 (kameraspezifisch, im Handbuch nachlesen) größeres Mondbild (abhängig vom Sensor) und entsprechend mehr Details.

Der Autofokus von modernen Kameras ist empfindlich genug, um den Mond bei partieller Verfinsterung zu erkennen und zu fokussieren, vorausgesetzt, es wird ein Messsensor direkt über dem Mond platziert. Vor der Totalität muss auf manuelle Fokussierung umgeschaltet werden. Danach darf man den Fokussier- und ggf. Zoomring nicht mehr berühren.

Soll der Mond nicht genau in der Bildmitte stehen, bedarf es eines Tricks: Der Mond wird zentriert und mit dem Autofokus scharfgestellt. Dann wird auf manuelle Fokussierung umgeschaltet und der gewünschte Ausschnitt eingestellt.

Mit kleinen Brennweiten bis etwa 135 Millimeter erscheint der Mond sehr klein, man erkennt aber bereits angedeutet die großen Strukturen. Diese Objektive eignen sich hervorragend für Landschafts- und Stimmungsfotos mit dem Mond. Kann man dezent angestrahlte Gebäude in das Foto integrieren, ergeben sich oft atemberaubende Stimmungsaufnahmen.

Das folgende Foto entstand am 17. September 1997. Optik war ein 35-80 Millimeter-Objektiv bei f=50mm und f/5,6. Die Belichtungszeit betrug zehn Sekunden mit ISO 400.

Mondfinsternis-Panoramafoto

Durch die hohen Lichtstärken dieser Objektive kann man problemlos ohne Nachführung die scheinbare Bewegung des Mondes unterdrücken. Bei Blende 5,6 genügen mit hochempfindlichen Filmen (ISO 400 bis 800) ein bis zwei Sekunden Belichtungszeit, und der verfinsterte Mond ist korrekt belichtet. Am besten macht man eine Aufnahmeserie mit verschiedenen Belichtungszeiten ab einer halben Sekunde.

In diesem Brennweitenbereich stellt die Mehrfachbelichtung, auch Reihen- oder Serienaufnahme genannt, einen besonderen Leckerbissen dar: Hierbei wird eine Einstellung an der Kamera vorgenommen (im Handbuch nachlesen), die den Film zwischen verschiedenen Aufnahmen nicht weitertransportiert bzw. der Sensor erst nach mehreren Belichtungen ausgelesen wird. Bei ruhender Kamera kann man je nach Brennweite Teile oder mit Weitwinkelobjektiven um die 28 Millimeter Brennweite sogar die gesamte Finsternis erfassen, wenn man alle paar Minuten eine Belichtung vornimmt.

Das folgende Foto zeigt eine Mehrfachbelichtung der partiellen Mondfinsternis vom 24. März 1997.

Serienaufnahme

Einige Kameramodelle erlauben nur eine begrenzte Anzahl von Belichtungen pro Bild. In diesem Fall stellt man die Kamera auf Langzeitbelichtung ein und deckt das Objektiv mit einem Deckel oder Hut ab. Im Abstand von einigen Minuten wird diese Abdeckung bei der partiellen Phase für knapp eine Sekunde abgenommen. Während der Totalität muss die Abdeckung entsprechend länger abgenommen oder die Blende des Objektivs weit geöffnet werden. Damit hierbei nicht überbelichtet wird, muss während der patrtiellen Phase mindestens auf Blende 11 abgeblendet werden.

Wenn man einen möglichst großen Teil oder die gesamte Finsternis auf einem Bild festhalten möchte, sollte man die Bewegung des Mondes bereits einige Zeit vor Beginn der partiellen Phase durch den Sucher verfolgen und die Kamera dann entsprechend ausrichten. Idealerweise sollte der Mond näherungsweise entlang der Bilddiagonale durch das Bild wandern.

Siehe hierfür auch den Artikel über Mehrfachbelichtungen und Fotomontagen.

Starke Teleobjektive mit 200 bis 500 Millimeter Brennweite zeigen bereits sehr schön die Strukturen auf der Mondoberfläche. Um die scheinbare Bewegung des Mondes zu unterdrücken, macht man idealerweise eine Belichtungsreihe bis zu der zur Unterdrückung der scheinbaren Bewegung der Sterne maximal möglichen Belichtungszeit (siehe Tabelle unter "Belichtungszeiten in der Astrofotografie"). Die Blende sollte hierbei möglichst weit geöffnet sein. Bei hohen Filmempfindlichkeiten sollte man, ausser bei extrem dunklen Finsternissen, gute Ergebnisse erzielen.

Das Foto zeigt den Beginn der totalen Mondfinaternis vom 16. September 1997. Aufgenommen wurde mit einem 75-300 Millimeter Teleobjektiv bei f=300 Millimeter mit Vollautomatik.

Mondfinsternis mit 300 Millimeter Brennweite

Teleskope

Kann man kleine Unschärfen durch die scheinbare Bewegung des Himmels in Kauf nehmen, ist mit kleinen Teleskopen bis etwa 800 Millimeter Brennweite und höchsten Empfindlichkeiten (ISO-Werte ab 800) eine Fotografie mit ruhender Kamera durchaus möglich. Solche Aufnahmen legt man dann zweckmäßigerweise an den Beginn oder das Ende der Totalität, da der Mond am Kernschattenrand noch relativ hell im Gegensatz zur Finsternismitte ist.

Mehr lässt sich ohne Nachführung nicht erreichen.

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Mondfinsternisfotografie mit elektrischer Nachführung

Teleobjektive

Wenn man mitllere und langbrennweitige Teleobjektive nachführt, kann man mit längeren Belichtungszeiten die Sterne in der Umgebung des Mondes fotografieren. Hierbei wird der verfinsterte Mond jedoch meistens etwas überbelichtet.

Teleskope

Fotografien mit einem Teleskop müssen aufgrund der langen Brennweiten exakt fokussiert werden. Hierfür eignet sich die Scheinerblende sehr gut, die ich hier in einem separaten Artikel ausführlich beschreibe. Den Fokus beurteilt man am besten am Mondrand. Bei exakter Fokussierung erscheint er messerscharf. Die Fokussierung sollte bereits während der partiellen Phase vorgenommen werden, da der verfinsterte Mond im Sucher extrem dunkel erscheint.

Die Fokussierung durch einfaches Betrachten durch den Sucher führt bei Teleskopen nur in Ausnahmefällen zu einem einwandfreien Foto, aber es ist nicht unmöglich. Bei kleinen Reiseteleskopen bis etwa 500 Millimeter Brennweite kann man mit etwas Übung auch ohne Fokussierhilfe arbeiten.

Mit Teleskopen kommt man während der Totalität um eine elektrische Nachführung auf die scheinbare Bewegung des Mondes nicht herum. Eine Nachführkontrolle ist während der kurzen Belichtungszeiten im Sekundenbereich noch nicht erforderlich, sofern die Einnordung hinreichend genau durchgeführt wurde. Mit zunehmender Brennweite sieht man natürlich mehr Details auf der Mondoberfläche.

Bei 1000 Millimeter Brennweite nimmt der Mond im Querformat kanpp die halbe Bildhöhe ein. Mit 2000 Millimetern Brennweite wird der Mond fast formatfüllend (beide Angaben für Vollformat-Sensoren).

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