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Filme und ISO-Empfindlichkeiten

Inhalt
1. Dia oder Negativ? 5. Umgang mit Filmmaterial
2. Rotempfindlichkeit 6. ISO-Empfindlichkeiten
3. Schwarz/Weiss-Filme 7. Welche Empfindlichkeit für welches Motiv?
4. Schutz vor Röntgenstrahlung

In diesem Artikel werden analoge Filme und ihre Anwendung sowie die ISO-Empfindlichkeiten allgemein erläutert. Trotz der immer stärkeren Verbreitung der digitalen Fotografie und der damit verbundenen Abnahme der Bedeutung der analogen Fotografie halte ich es für falsch, die analoge Fotografie aus einer allgemeinen Anleitung zur Astrofotografie komplett zu verbannen.

Die analoge Fotografie hat in der Astrofotografie, insbesondere bei der Fotografie von Meteoren und der Deep-Sky-Fotografie, durchaus ihren Platz. Speziell in den beiden genannten Motivgruppen können analoge Filme ihre Stärken, nämlich eine hohe Rotempfindlichkeit (siehe unten) und ein größeres Bildfeld gegenüber den meisten Digitalkameras, ausspielen.

Zahlreiche "Alte Hasen" der Fotografie schwören nach wie vor auf die guten alten, robusten und rein mechanischen Kameras aus Großvaters Zeiten. Abgesehen von persönlichen Vorlieben ist der Umstieg auf digitale Fotografie insbesondere im Bereich der Spiegelreflexkameras mit einem nicht unerheblichen Kostenaufwand verbunden.

Diese Website behandelt auf dem Gebiet der analogen Fotografie ausschließlich das sog. Kleinbildformat, also Negativ- und Diafilme des Formats 24*36 Millimeter.

Dia oder Negativ?

Das sind die beiden Sorten analoger Filme. Ein Negativ-Film erzeugt auf dem Filmstreifen (den späteren Negativen) ein Bild aus den Komplementärfarben des Motivs. Rottöne werden auf dem Negativ zum Beispiel blau dargestellt und umgekehrt. Erst beim Papierabzug entsteht ein Foto, das aus den natürlichen Farben besteht.

Der Diafilm, auch Umkehrfilm genannt, erzeugt gleich auf dem Filmstreifen, dem späteren Dia, ein Foto mit natürlichen Farben. Man kann zwar auch Papierabzüge vom Dia anfertigen, die hauptsächliche Verwendung von Dias ist jedoch die Projektion auf eine Leinwand oder die Betrachtung in einem Diabetrachter.

In der Astrofotografie haben sich Diafilme gegenüber Negativfilmen als vorteilhaft erwiesen. Dies liegt darin begründet, dass die heutigen automatischen Entwicklungsmaschinen dunkle Aufnahmen, also auch Astrofotos, als unterbelichtet oder überhaupt nicht erkennen. Deshalb werden sie von der Maschine beim Abzug auf Papier aufgehellt oder überhaupt nicht richtig abgezogen.

Bei Negativen ist diese Grenze der nachträglichen Aufhellung bzw. Abdunkelung sehr groß, eine korrekt belichtete Aufnahme kann also auf dem Papier unansehnlich oder gar völlig fehlerhaft wirken, Details gehen mitunter verloren. Umgekehrt kann ein eigentlich über- oder unterbelichtetes Foto beim Abzug auf Papier in Grenzen korrigiert werden, so dass man eine fehlerhafte Aufnahmetechnik mitunter nicht bemerkt. Bei Diafilmen ist dieser sog. Belichtungsspielraum so gering, dass er meistens vernachlässigt werden kann. Ein Dia wird beim Abzug auf Papier also wenn überhaupt nur ganz gering verfälscht.

Betrachtet man Dias in der Projektion oder im Betrachter, hat man mit Sicherheit ein unverfälschtes Bild vorliegen. Hierbei kann man genau ermitteln, ob die Aufnahme technisch gelungen ist. Bei Papierabzügen vom Negativ weiss man nie sicher, ob eine Fehlbelichtung und damit verbundene mögliche Unschärfen oder Farbstiche bei der Aufnahme selbst oder beim Abzug im Labor entstanden.

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Rotempfindlichkeit

Sehr viele Deep-Sky-Objekte strahlen in einem roten Licht, das man mit bloßem Auge nicht wahrnimmt, sich bei langen Belichtungszeiten aufgrund des Lichtsammelvermögens des Films jedoch als zum Teil tiefroter Farbton bemerkbar macht. Ein guter Astro-Film sollte deshalb eine verstärkte Empfindlichkeit im roten Wellenlängenbereich haben. Das ist bei einigen Sorten der Fall, andere reagieren farbneutral, bringen die Rottöne aber trotzdem zum Vorschein.

Die Filmemulsionen von Kodak betonen die warmen Farben, also Rot- , Orange- und Gelbtöne. Sie bringen bei Deep-Sky-Aufnahmen erfahrungsgemäß die besten Ergebnisse. In diesem Punkt ist das Resultat der Aufnahme mit der Wahl des Filmes in gewissen Grenzen steuerbar.

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Schwarz/Weiss-Filme

Die Fotografie mit Schwarz/Weiss-Filmen hat in der Astrofotografie nach wie vor eine weite Verbreitung. Das liegt daran, dass diese Filme gegenüber Farbfilmen einige Vorteile aufweisen:

  • Hohe Rotempfindlichkeit:

    Schwarz/Weiss-Filme haben eine sehr hohe Empfindlichkeit im roten Spektralbereich. Deshalb treten Gasnebel, die stark im roten Spektralbereich strahlen, mit solchen Filmen besonders deutlich hervor.

  • Hoher Kontrast:

    Schwarz/Weiss-Material weist einen höheren Kontrast als Farbfilme auf. Bei hellen Objekten wie Sonne und Mond kann man diesen Effekt durch Verwendung eines Gelbfilters steigern, was allerdings einen Lichtverlust nach sich zieht.

Ist man in der Lage, die Filme selber zu entwickeln, ist das Resultat bei Entwicklung steuerbar: Lässt man zum Beispiel den Film länger als üblich im Entwickler, erhöht sich der Kontrast. Beim Entwicklungsprozess kann man auch die ISO-Empfindlichkeit steigern und somit nur schwach belichtete Nebel und Galaxien zum Vorschein bringen. Bei diesem sog. Pushen verstärkt sich allerdings das Filmkorn. Hier muss man abwägen.

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Schutz vor Röntgenstrahlung

Ein Film funktioniert, indem das Licht, also elektromagnetische Strahlung, eine chemische Reaktion in der Filmemulsion auslöst, die dann zur Aufzeichnung der Bildinformation führt.

Röntgenstrahlung gehört auch zum elektromagnetischen Spektrum, ihre Energie ist jedoch um ein Vielfaches höher als die des sichtbaren Lichtes. Folglich kann auch Röntgenstrahlung einen fotografischen Film, sogar einen bereits belichteten, der sich komplett in der Patrone befindet, belichten und ihn unbrauchbar machen.

Das kann bei Sicherheitskontrollen, bei denen Gepäckstücke etc. mit Röntgenstrahlung durchleuchtet werden, dazu führen, dass Filme zerstört werden. Um einem solchen Malheur vorzubeugen, empfielt es sich dringend, Filmmaterial in speziell hierfür angefertigten Bleitaschen zu transportieren. Diese sind in der Regel dick genug, um die Röntgenstrahlung, die bei der Durchleuchtung von Handgepäck zum Einsatz kommt, sicher abzuschirmen.

ACHTUNG: Einige Flughäfen, z. B. London oder diejenigen in Entwicklungsländern, verwenden eine so starke Strahlung, dass auch Bleitaschen keinen wirkungsvollen Schutz bieten. Bei Unklarheiten sollte man das Kontrollpersonal bitten, die Fotoausrüstung manuell zu untersuchen, was meiner Erfahrung nach auch anstandslos gemacht wird. Einige Kontrolleure verlangen bei solchen Kontrollen das Öffnen von Kameras. Es empfielt sich also, bei Flugreisen keinen Film einzulegen, bevor man die Kontrollen passiert hat.

Filme sollten unbedingt im Handgepäck transportiert werden, da die Röntgenstrahlung, mit der eingecheckte Koffer durchleuchtet werden, einen Film trotz Bleitasche zerstören würden. In Anbetracht der aktuellen Sicherheitslage ist eine Transportmöglichkeit im Handgepäck nicht gewährleistet. Die Regelungen sind vom Land und der Fluggesellschaft abhängig.

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Umgang mit Filmmaterial

Fotografische Filme sollten gekühlt gelagert werden. Die Aufbewahrung sollte im Kühlschrank und in einer Filmdose zum Schutz gegen Feuchtigkeit erfolgen. Bei gekühlter Lagerung kann ein Film sogar lange über das Verfallsdatum hinaus aufgehoben und verwendet werden.

Lässt man die Filme in einem Labor entwickeln, sollte man angeben, dass der Filmstreifen nicht geschnitten werden soll. Der Grund hierfür ist, dass sich zwischen den Bildern ein schwarzer Streifen befindet, an dem normalerweise die Grenzen zwischen den einzelnen Fotos markiert werden. Da Astrofotos einen sehr dunklen bis schwarzen Hintergrund aufweisen, kann man oft keine Grenze zwischen den Fotos ausmachen. Es besteht die Gefahr, dass die Astrofotos zerschnitten werden. Es sollen schon Schnitte quer durch die total verfinsterte Sonne vorgekommen sein.

Auch beim manuellen Beschneiden der Filme ist äusserste Vorsicht geboten. Im Extremfall muss man die Schnittlinien durch Abzählen der Löcher am Negativ- bzw. Diarand ermitteln.

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ISO-Empfindlichkeiten

Die Empfindlichkeit ist das Haupt-Unterscheidungskriterium für Filme. Die ISO-Angaben und nachfolgenden Erklärungen gelten für Negativ- und Diafilme gleichermaßen. Die Lichtempfindlichkeit von Filmmaterial wird in ASA bzw. ISO angegeben. Die beiden Bezeichnungen sind gleichbedeutend, 100 ASA entsprechen zum Beispiel 100 ISO. Es werden im Handel Filme mit folgenden Empfindlichkeiten (ISO-Werte) angeboten: 50 - 100 - 200 - 400 - 800 - 1000 - 1600.

Die gleichen Bezeichnungen und Einteilungen werden auch bei Digitalkameras vorgenommen. ISO 100-Filme haben beispielsweise die gleiche Lichtempfindlichkeit wie eine auf ISO 100 eingestellte Digitalkamera. In der digitalen Fotografie werden die ISO-Werte 50 und 1000 kaum angewendet.

Die Empfindlichkeit ist ein Maß für die jeweils benötigte Belichtungszeit bei gleichen Bedingungen.

Beispiel: Eine totale Mondfinsternis muss mit ISO 400 mit einer 100/1000 Millimeter-Optik etwa acht Sekunden belichtet werden. Verwendet man mit der gleichen Optik eine Empfindlichkeit von ISO 800, beträgt die Belichtungszeit vier Sekunden, mit ISO 1600 zwei Sekunden. Mit geringeren ISO-Werten verlängert sich die Belichtungszeit analog.

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Welche Empfindlichkeit für welches Motiv?

Die benötigten Belichtungszeiten in der Astrofotografie reichen von Hundertstelsekunden beim Mond bis zu stundenlangen Belichtungen bei entfernten Galaxien.

Die folgende Tabelle gibt Empfehlungen für ISO-Empfindlichkeiten bei unterschiedlichen Motiven. Die Angaben sind als Richtwerte anzusehen. Grundsätzlich kann man bis 400 ISO alle Motive mit guter Qualität fotografieren. ISO 400 ist ein sinnvoller Kompromiss für den Einstieg in die Astrofotografie. Ab ISO 800 zeigt sich eine leichte bis mittlere Körnung bzw. Rauschen, das je nach Fabrikat und Film bzw. Sensor unterschiedlich ausfällt, aber in aller Regel noch tolerierbar ist.

Motiv Empfindlichkeit in ISO
Mond (Gesamtansicht) 50-100
Mond (Großaufnahme einzelner Formationen) 200-400
Mond (Erdschein) 400
Mondfinsternisse 400-800
Planeten 400
Sonnenfinsternisse 50-100
Sonne 50-100
Sternstrichspuren 400
Meteore 400
Deep-Sky mit ruhender Kamera 800-1600
Deep-Sky mit Nachführung 400
Stimmungsaufnahmen/Nachthimmel allgemein 200-400

Geringe ISO-Empfindlichkeiten verlängern zwar die Belichtungszeit bei gleicher Lichtstärke und Helligkeit des Objektes, bieten aber grundsätzlich eine bessere Abbildungsqualität: Das Bild ist insgesamt schärfer und kontrastreicher, und die Farben sind kräftiger. Desweiteren wird die Auflösung gesteigert, feine Strukturen sind deutlicher erkennbar, insbesondere bei Sonne, Mond und Planeten.

Bei hellen und/oder detailreichen Motiven sollte die ISO-Empfindlichkeit deshalb möglichst gering gewählt werden. Im Falle von lichtschwachen Objekten, zum Beispiel Nebel und Galaxien, die ohnehin recht lichtschwach sind, empfehlen sich mittlere bis hohe Empfindlichkeiten von 400 bis 800. Bei der Verwendung von ISO 400 wird die benötigte Belichtungszeit gegenüber ISO 100 bei gleicher Lichtstärke und Objekthelligkeit geviertelt! Die Gefahr, dass eine Aufnahme durch Wind oder Erschütterungen verwackelt, wird also verringert.

Bei hohen Empfindlichkeiten werden jedoch Kontrast, Auflösung und auch geringfügig die Bildschärfe reduziert. Ausserdem nimmt bei Digitalkameras das Hintergrundrauschen zu, im Falle von Filmen nimmt die Korngröße zu. Höchste Empfindlichkeiten sind in beiden Fällen nur mit Einschränkungen in der Abbildungsqualität verwendbar, extreme Postervergrößerungen sind kaum möglich.

Extreme Empfindlichkeiten ab 1000 oder höher sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn es unumgänglich ist, beispielsweise bei der Deep-Sky-Fotografie mit ruhender Kamera oder der Fotografie heller Kometen ohne Nachführung. Extrem lichtschwache Galaxien lassen sich mitunter nur mit lichtstarken Teleskopen in Kombination mit höchsten ISO-Empfindlichkeiten fotografisch erfassen.

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